Der scharfe Blick des Weltenwanderers durchmaß das Rund der Versammlungshalle. Die IstuKarun hatten sich eingefunden, Ausgestoßene, die, der Pfade überdrüssig, ihr Weltenschiff verlassen hatten. Ob auch nur einer von ihnen sich hatte träumen lassen, was sie da draußen, in der vermeintlichen Freiheit des weiten Sternenmeeres, wirklich erwartete? Immerhin, bisher hatten sie überlebt, und sie waren hierhergekommen. Das machte sie zu den besten unter ihresgleichen. Wenn Zar Asuryan rief, kehrten seine Ranger zurück.

Mehrere hundert saßen auf den aufsteigenden Stufenrängen der Halle. Manche plauderten oder begrüßten lang nicht mehr gesehen Gefährten. Sicherlich prahlten auch einige mit ihren Abenteuern. Aber keine noch so fantasievoll ausgeschmückte Geschichte konnte heranreichen an die Fährnisse, die einen Wanderer tatsächlich auf dem Pfad des Ausgestoßenen erwarteten.

Firondhir und Illurayon hatten wahrscheinlich schon mehr erlebt als all die jungen Aeldari hier zusammen. Aber die Reise, die ihnen jetzt bevorstand, sollte alles Bisherige in den Schatten stellen. Mehr allerdings wusste Firondhir auch nicht. AreIdain Eathalvaën hatte nichts mehr als vage Andeutungen gemacht, als er sie zu sich gebeten hatte. Die Zukunft des Weltenschiffes Zar Asuryan würde eine neue Wendung nehmen, zum Guten oder zum Schlechten. Das hinge nun von ihnen ab.

Aber war es nicht immer so, wenn die Runenpropheten die Ranger heimriefen und den Kriegsrat sich versammeln ließen? Allerdings, Autarchen und Exarchen waren hier und heute nicht anwesend. Und auch von der anhaltenden Spannung, die das Bewusstsein eines Weltenschiffes durchströmte, wenn der Avatar Kaela Mensha Khaines seine Kräfte sammelte, war nichts zu spüren. Krieg stand nicht bevor. Nicht für die Bewohner des Weltenschiffes, nicht für die Aspektkrieger der Schreine der Asurya. Eine Aufgabe für die Ranger lag an. Heimliche Suche, stille Jagd.

Illurayon war der Vorausschauendere von ihnen beiden, und mehr als das. Seit sie sich kannten, hatte er stets so etwas wie die Führungsrolle übernommen. Und wohl deshalb war er es nun auch, den Eathalvaën zu einem vertraulichen Gespräch zu sich gebeten hatte. Aber sein Weggefährte hatte ihm noch nie etwas verheimlicht. Deshalb machte sich Firondhir darüber keine großen Sorgen.

Eathalvaën wandelte über die verschlungenen Wege des weitläufigen Parks unter der Kuppel der Seher. Der regelmäßige Lichtwechsel in den Biodomen des Weltenschiffes hatte grade die Hälfte der Dunkelphase überschritten. Auf einem Planten hätte man die Zeit wohl Mitternacht genannt. Das Fehlen des Tageslichts erlaubte den Blick auf die Sterne, deren weiß glänzende Lichtspitzen die hauchdünne, klare Kristallhaut der Kuppel durchdrangen. In der tiefblauen Dämmerung hatten zahlreiche Nachtblumen ihre großen, goldenen und purpurroten Kelche geöffnet und verströmten einen schweren, angenehmen Duft. Nächtliche Falter, samtviolett und groß wie Singvögel, gaukelten von einer Blüte zur anderen. Heimchen zirpten leise ihr Nachtkonzert. Irgendwo hinter diesem Gemälde der Sinne war für den empfindsamen Geist ein sphärischer Klang zu vernehmen, eine lautlose, auf und abschwellende Melodie wie das Rauschen des Meeres, ein Meer aus Sternen, das die weit verstreuten Inseln des Lebens der Aeldari trennte und zugleich miteinander verband. Nächte in den Gärten eines Weltenschiffes hatten ihre ganz eigene Magie.

Neben dem Runenpropheten schritt schweigend eine selbst für einen Aeldari hochgewachsene Gestalt in einem langen, schwarzen Mantel. So bedacht und kontrolliert waren seine Bewegungen, dass man ihn in der Dunkelheit erst auf den zweiten Blick wahrnahm.

„Hörst du das Meeresrauschen?“ fragte Eathalvaën.

„Es sind nur die sanften Wellen, die unsere Küsten umspielen“, antwortete der Weltenwanderer. „Die wilde See liegt woanders, und mögen sich ihre Wellen nie an unseren Mauern brechen. Ich habe mich schon lange nicht mehr dort hinausbegeben.“

„Das Sternenmeer wird diesmal nicht euer Weg und euer Ziel sein, Illurayon.“

„Ihr wisst Eathalvaën, welchen Weg auch immer einzuschlagen Ihr mich bittet, ich werde ihn beschreiten.“

„Diesmal wage ich nicht, dich zu bitten. Auch Firondhir nicht. Keinen von euch. Ich werden euch eröffnen, was die Runen mir eröffnet haben, und dann mag jeder selbst entscheiden, ob er bereit ist, an jenen Ort zu gehen, den kein Wesen betritt, ohne von seinen Bewohnern dorthin gezerrt worden zu sein.“

Illurayon schwieg kurz. Diese rätselhafte Art zu sprechen zeichnete Runenpropheten mitunter aus, mochte es nun sein, dass sie selbst den Runen keine klareren Begriffe hatten entlocken können, sei es, weil sie das, was sie gesehen hatten, nicht auszusprechen wagten. Doch Illurayon kannte den Ersten Runenpropheten von Zar Asuryan schon sein halbes Leben lange. Eathalvaën sprach offen, offener als es dem Rat der Propheten zuweilen recht war. Wenn er solche Formulierungen gebrauchte, dann nicht, weil er das fürchtete, was er nicht beim Namen nennen wollte. Er fürchtete um den, zu dem er sprach. Eine leichte Beklemmung beschlich den Weltenwanderer, denn er wusste die dunkle Rede wohl zu deuten.

„Eathalvaën, sprecht nicht in Rätseln zu mir, zumal ich einen Teil ohnehin schon erraten habe.“

Der Runenprophet lächelte.

„Deiner Gabe entzieht sich wenig, Illurayon. Deswegen fällt es mir umso schwerer, dich auszusenden, denn sie ist der vornehmliche Grund, dass du der Einzige bist, der diese Mission zum Erfolg führen kann.“

„Was ich weiß und was ich kann, habt Ihr mich gelehrt. ArdIdainn, Ihr sendet uns in die Dunkle Stadt, nach Commorragh.“

Der Runenprophet hielt in seinen Schritten inne, wandte sich dem Weltenwanderer zu und sah ihn an. Illurayon schrak zurück vor dem Blick in seinen grüngrauen Augen. Zehntausend Jahre, die man Eathalvaën sonst nicht ansah, lagen auf seinem Gesicht. Aus dem Blick allein, ohne dass Eathalvaën ein Wort hätte sprechen müssen, wusste Illurayon, was ihm auf der Seele lastete: ‚Du wirst nicht zurückkehren.‘

Sein Inneres schnürte sich zusammen. Das Leben eines Weltenwanderers war niemals sicher. Er hatte sich dafür entschieden, in dem Augenblick, da er den Pfad der Aeldari verlassen hatte. Aber der Tod war ein Risiko, das man mit Geschick und Vorsicht meiden konnte. Und Firondhir und er, sie waren sehr gut darin – bisher.

Eathalvaën richtete seinen Blick zu den Sternen auf. Wie oft in den letzten Jahrhunderten hatte er schon dem Jungen König diese Botschaft überbracht. Selten, im Vergleich zu anderen Weltenschiffen, und doch viel zu oft. Doch Illurayon war kein Exarch, der dafür lebte, sich selbst im Dienst seines Gottes aufzugeben. Er hatte sich für die Freiheit des Sternenmeeres entschieden. Nur wenige Schritte davon entfernt, sich in der ewigen Verdammnis zu verlieren, hatte Eathalvaën sich seiner angenommen. Auf dem Pfad des Sehers hatte auch er ihn nicht halten können, doch hatte er ihn gelehrt, seine Begabung unter Kontrolle zu halten.

Wofür?

„Ihr sagtet, Ihr würdet mich nicht bitten“, hörte er den Weltenwanderer sagen. Seine Stimme, wie vom anderen Ende des Universums hinüberdringend, war gefasst, doch ließ die Furcht in ihr sich nicht verbergen. „Aber es muss einen Grund geben, warum Ihr grade an mich herangetreten seid.“

Eathalvaën sah ihn wieder an.

„Ohne dich wird die Reise fehlgehen. Keine Vision, die ich je hatte, war klarer, gleich welche Pfade der Zukunft ich verfolgt habe.“

Illurayon holte tief Luft.

„Ihr wollt mich nicht bitten. Aber eine Wahl bleibt mir trotzdem nicht.“

„Du kannst fortgehen“, entgegnete der Runenprophet.

„Und nie mehr zurückkehren. Weil es nichts zum Zurückkehren geben wird. Eine Ewigkeit durch die Sterne zu wandern ohne eine Heimat, um beizeiten Ruhe zu finden. AreIdain, ich weiß, dass Euch nichts mehr bedeutet als das Weiterbestehen Zar Asuryans.“

Eathalvaën sah einen Sekundenbruchteil zur Seite. „In einem irrst du.“

Eine Weile gingen die beiden schweigend weiter, bis schließlich die gewaltige Kuppel der Halle der Seher sich bläulich schimmernd gegen den Sternenhimmel erhob.

Bevor sie eintraten, blieb Eathalvaën noch einmal stehen.

„Du fürchtest dich, Illurayon. Vor der Entscheidung, und vor den Folgen, die sie nach sich ziehen wird, gleich wofür du dich entschließt.“

„Es existiert wirklich keine Möglichkeit, die Dinge in eine andere Richtung zu lenken?“

Eathalvaën lachte leise.

„Ich gebe zu, auch ich bin nicht allwissend und unfehlbar. Und zeigt sich auch nur die kleinste Hoffnung, so ergreife sie und halte sie fest. Vielleicht findest du einen Weg, den ich übersehen habe. Doch bitte ich dich: Wenn du die Tore der großen Halle durchschreitest, habe deine Entscheidung getroffen.“

Firondhir sah auf. Ein hoher, schlanker Bogen ausgefüllt mit weißem Licht tat sich auf, als die ornamentverzierten Türflügel der Großen Halle sich langsam auseinanderschoben. Zwei dunkle Figuren lösten sich aus der Helligkeit. Illurayon trat ein, gefolgt vom Ersten Runenpropheten Zar Asuryans. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn beim Anblick seines Freundes, er konnte es nicht genau einordnen. Irgendetwas Bedrückendes war an ihm, an seiner Bewegung, auch wenn sein Gesicht so ruhig und gefasst wie immer war. Es machte ihm Angst. Kaum bemerkte er, wie es um ihn her mit jedem Augenblick ruhiger wurde und sich immer mehr Augenpaare erwartungsvoll auf die Eintretenden richteten.

Lautlos huschte Illurayon durch das dämmrige Dunkel zu den Rängen und setzte sich neben Firondhir. Der sah ihn erwartungsvoll an, doch Illurayon bedeutete ihm, nicht zu sprechen und wies in Richtung des Runenpropheten.

Eathalvaën schritt durch den Saal, groß und aufrecht. Seine feingliedrige linke Hand umschloss seinen Runenstab, ruhend, kraftvoll trotz seines hohen Alters, eher als hielte er eine Waffe denn eine Stütze. Er blieb in dem goldenen Lichtstrahl in der Mitte der Halle stehen. Der mitternachtsblaue Sehermantel fiel in schweren, samtenen Falten von seinen Schultern bis auf den Mosaikboden. Silberne Runen glänzten auf dem morgenhimmelblauen Kragen. Das silbergrau durchzogene Haar teilweise zu einem Knoten aufgesteckt, teilweise lang und offen über den Rücken fallend, die feinen, ebenmäßigen Gesichtszügen voll ruhigem Erst, ließ er seinen Blick durch die Runde schweifen.

„IstuKarun“, hob er an zu sprechen. Seine helle Stimme, wenngleich nicht übermäßig laut, erfüllte die gesamte Halle. „Angereist, heimgekehrt, dem Ruf gefolgt aus den entferntesten Winkeln der Galaxie. Nicht ohne Grund habe ich euch herkommen lassen.“

Er konnte die ungeteilte Aufmerksamkeit aller seiner Zuhörer spüren: Neugier, Abenteuerlust, Aufregung, auch Sorge und Unsicherheit bei einigen, alle nur erdenklichen Farben von Gefühlen der Erwartung. Doch wie die Leere eines schwarzen Sterns strahlten die Furcht vor einer düsteren Gewissheit aus ihnen hervor. Einen kurzen Moment schwieg er und versuchte, seinen Geist vor diesen Empfindungen zu verschließen, bevor er weitersprechen konnte.

„Schon oft habt ihr euren Teil dazu beigetragen, Bedrohungen von Zar Asuryan abzuhalten. Wie oft habt ihr euch wohl wissend in größte Gefahren begeben, um ein dunkles Schicksal von Zar Asuryans abzuwenden?“

Auch wenn Eathalvaën es im Halbdunkel der Halle kaum sehen konnte, so spürte er doch: Kein Gesicht, dass nicht von tiefstem Ernst, keine Seele, die nicht von höchster Entschlossenheit erfüllt war.

„Nichts Geringeres trage ich in dieser Stunde an euch heran. Doch kann und will ich keinen von euch zu diesem Auftrag verpflichten.“

Erstauntes Schweigen breitete sich aus.

Für gewöhnlich bestimmten die Runenpropheten jene, die auf eine Mission ausgesandt wurden, bereits vorher. Auf geheimnisvolle Weise wusste sie, wen es brauchte, damit das Unternehmen erfolgreich verlief. Fragend blickte Firondhir Illurayon an. Doch sein Freund hatte nur die Augen niedergeschlagen und starrte ins Dunkel.

„Nichts Geringeres“, fuhr der Runenprophet fort, „sondern sehr viel mehr. Die entferntesten Orte und dunkelsten Winkel der Galaxis habt ihr aufgesucht. Chem-Pan-Sey und Orkead, illMureead und Necrontyr habt ihr getrotzt. Doch diesmal führt der Weg dorthin, wo der Ort und seine Bewohner gleichermaßen und auf vielfältigste Weise gefährlich sind. Nicht hinaus in die Weiten der Galaxis führt er, sondern tief in die verschlungenen Labyrinthe des SercamBelach.“

Ein Gemurmel ging durch die Ränge. Die ersten der Ranger und Weltenwanderer begannen zu verstehen, wovon der Runenprophet sprach.

Eathalvaën nickte langsam, während er wiederholt seinen Blick durch die Runde streifen ließ. „Die Dunkel Stadt soll euer Ziel sein. Und wir alle wissen, dass jene, die dort leben, obwohl von unserem Volk, uns fremder nicht sein könnten. Was sie einem Lebewesen gleich welcher Art anzutun vermögen, ist für uns nicht vorstellbar. Und gleichwohl ich von jedem von euch weiß, dass er bereit währe, selbst die schwersten Prüfungen auf sich zu nehmen, so weiß ich doch ebenso, dass dies nicht die wahre Gefahr der Dunklen Stadt ist. Schlimmer als der Tod ist die ewige Verdammnis, die unseren Seelen dort droht, und der die Schwäche unserer Natur sich nur allzu gerne hingibt. Wir wissen, wer sich dort verliert, findet niemals den Weg zurück.“

Der Saal war stumm geworden. Bedrückendes Schweigen erfüllte die Kuppel. Das Dämmerdunkel zog sich zu schwarzer, schwerer Finsternis zusammen.

„Daher kann und werden ich niemanden von euch dazu bestimmen, diese Reise zu unternehmen. Die Runen haben die Entscheidung getroffen: Fünf IstuKarun gehen aus freiem Willen in die Dunkle Stadt. Keiner mehr. Keiner weniger.“

Eine lange Pause trat ein, als jeder erwartete, dass der andere etwas sagte, dass der Runenprophet Namen nannte, dass einer der Weltenwanderer den anderen Anfang machte.

„Mir ist es bereits bestimmt zu gehen“, erklang eine Stimme aus dem Dunklen. Einer der Weltenwanderer hatte sich erhoben und schaute in die Runde.

Firondhir erschrak und schaute zu Illurayon auf. Langsam schritt sein Freund die Stufen hinunter und stellte sich neben den Runenpropheten in den Lichtkegel. „Wer geht mit mir?“

Ehe er noch wusste, wie ihm geschah, war Firondhir aufgesprungen. Einen langen Augenblick stand er auf den Stufen, unschlüssig, was er eigentlich hatte tun wollen. Dann wurde ihm bewusst, dass er, dass etwas in ihm damit eine Entscheidung getroffen hatte, die er nicht mehr zurücknehmen konnte. Nicht vor Illurayon, nicht vor dem AreIdain und nicht vor den versammelten Rangern. Mit schweren Schritten stieg auch er hinunter und stellte sich neben seinen Freund.

Der Anfang war getan. Wenige Augenblicke später erhob sich der nächste Ranger, dann noch einer, zwei weitere. Irgendwo in den mittleren Rängen stand ein junger Mann mit schmalem, blassen Gesicht und fast durchsichtigen Augen auf und schickte sich an, die die Stufen hinunter zu steigen. Sein Sitznachbar packte ihn am Arm.

„Ydrir, was machst du? Das ist keine Aufgabe für uns!“ flüsterte er energisch.

Der angesprochen drehte sich zu ihm um und sah ihn an, als würde er durch ihn hindurch blicken.

„Ich muss mitgehen“, sagte er mit einem Tonfall, als wäre dies das selbstverständlichste der Welt.

„Rede keinen Unsinn. Das ist eine Aufgabe für Sternenschreiter, die weitaus mehr Erfahrung haben als wird.“

„Dann bleib, ich gehe“, antwortete Ydrir, machte sich los und stieg die Stufen hinunter.

„Als ob ich dich allein lassen würde“, fauchte der andere und folgte ihm.

Am Ende standen ein gutes Dutzend Männer und Frauen im Rund der Halle.

„Ich danke euch allen“, sprach Eathalvaën in die Runde. „Niemand derer, die nun nicht hier stehen, muss beschämt sein. Nur wer ein Wagnis einzugehen bereit ist, kann auf Erfolg hoffen. Wer es nicht ist, dient dem Unternehmen umso mehr, wenn er sich nicht beteiligt.“

Dann wandte er sich an die Freiwilligen. „Fünf, nicht mehr, nicht weniger. Über zwei hat das Schicksal bereits entschieden.“ Er sah Illurayon und Firondhir an. Firondhir vernahm die Worte mit Unbehagen. „Über die drei weiteren wird nun das Los der Runen entscheiden müssen.“

Er öffneten einen weißen Lederbeutel an seinem Gürtel und griff hinein. Als er die Hand öffnete, stiegen daraus drei filigran verzweigte Phantomkristall-Runen wie Leuchtkäfer empor. Goldgelbes Licht verströmend, zogen sie ihre Kreise über der Gruppe, und hielten schließlich eine nach der anderen schwebend über einem Ranger an.

„Die Wahl ist getroffen.“

„Nein!“ fiel ihm einer der Ranger ins Wort. Überraschtes, teils empörtes Gemurmel breitet sich in der Halle aus.

Eathalvaën bliebt ruhig und sah den Sprecher an.

Es war ein junger Mann mit dunkelbraunen Haaren, die er zu einem Zopf hochgebunden hatte. Dicht neben ihm stand ein zweiter, etwas schmaler und feingliedriger von Gestalt, doch mit den gleichen Gesichtszügen und Haartracht. Über ihm schwebte eine der Runen.

„Nenne deinen Namen“, verlangte Eathalvaën.

„Ydril“, antwortete der Ranger. „Und dies ist mein Bruder Ydrir. Er wird die Reise antreten, doch nicht ohne mich.“

Der andere schaute zu betreten zu Boden.

„Ydril, deine Sorge um deinen Bruder ehrt dich. Doch die Runen haben die Wahl getroffen“, entgegnete der Runenprophet.

„Ich trete freiwillig zurück“, ließ sich eine andere Stimme vernehmen. Sie gehörte zu einer schwarzhaarigen Frau, aus deren grauen Augen die Erfahrung vieler Jahre auf dem Pfad sprach. Die Rune über ihr glitt auf ihre Handfläche und folgte der Bewegung, als sie die geöffnete Hand Ydril entgegenstreckte. „Zwillinge zu trennen ist ein schlechtes Vorzeichen. Mein Eifer soll nicht der Grund sein, dass diese Mission fehlschlägt.“ Ydril nahm die Runen entgegen.

Eathalvaën schien für einige Augenblicke weit entfernt zu sein. Dann nickte er. „So sein es denn. Möge deine Rücksicht nicht das herbeiführen, was du zu vermeiden versuchst.“

Der fünfte Ranger, der bisher am Boden gehockt hatte, erhob sich nun, so rasch, dass die schwebende Rune sich beinahe in seinen offenen blonden Locken verfing. „Hervorragend. Dann kann der Spaß ja beginnen.“


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.